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04.08.2022

Pianale Piano Festival am 29.07.2022

Eichenzeller Konzertrunde mit acht Pianale-Teilnehmern

 

Rezension von Nicolaus Frey, Fuldaer Zeitung vom 01.08.2022

 

Die Klaviermusikfreunde, die am Freitag das Pianale-Konzert im Eichenzeller Schlösschen besuchten, kamen in den Genuss hochwertiger Darbietungen und erlebten ein Programm, das sich von anderen Veranstaltungen deutlich unterschied.

Das Konzert – bei dem nur zwei Werke europäischer Klassik zu hören war – forderte die Künstler im Rahmen des 15. Meisterkurses, hatte aber auch für das Publikum viel Hörenswertes zu bieten. Den Anfang machte der 20-jährige Brasilianer Jordan Pereira mit der Prokofiev-Sonate Nr. 3, die er mit großem Klang, sicherer Technik und Sinn für das lyrische Thema gestaltete. Der 24-jährige Chinese Zikai Zhang stellte sich mit zwei Sätzen aus Bartoks Zyklus „Im Freien“ vor. Dabei erhielten die „Klänge der Nacht“ mit ihren zahlreichen Naturgeräuschen eine vielstimmige Resonanz, die stets um ein Ostinato aus fünf Halbtönen kreiste.

Yui Yamane (21, Japan), bot zwei Stücke aus Ravels Zyklus „Miroirs“. „Oiseaux tristes“, leitet sein Entstehen auch aus den Stimmen der Natur ab, und die junge Künstlerin brachte diese Laute nicht nur differenziert, sondern auch sensibel in den verschiedenen Registern des Flügels zum Klingen. Dem zweiten Stück, „Alborada del Gracioso“ gab sie nicht nur das tragische Melos eines Narren, sondern auch das Kühne und Unberechenbare seines Wesens. Mert Yalniz (Deutschland), mit 18 Jahren der jüngste Teilnehmer, bot einen pianistisch weit entwickelten Vortrag des 3. Satzes der Sonate f-Moll op. 57 von Beethoven. Für seine Tempo-Entscheidungen und den Einsatz von Leidenschaft boten ihm seine technischen Mittel viele Möglichkeiten, die er oft erfolgreich einsetzte.

Auch die 27-jährige Japanerin Reina Nishioka hatte sich für Beethoven entschieden und spielte die Sätze 3 und 4 der Sonate D-Dur op. 10 Nr. 3. Dabei zeigte sie, dass sie im sicheren Besitz der manuellen Voraussetzungen ist und über Präzision und dynamische Vielfalt des Anschlags verfügt. Ihre Klangunterschiede waren manchmal krass, aber beim Vortrag der kompletten Sonate dürften sie sich gut integrieren lassen. Die „Suite Floral“ op. 9 von Villa-Lobos folgte nun in einer Darbietung des Brasilianers Guilherme Frazzatto (23), der mit seinem klangsinnlichen Vortrag beeindruckte, vor allem im Finale mit dessen Effekt großer Emotionen.

Dann bot der 20-jährige Dongping Wang (China) einige sichere und reife Leistungen: zunächst das Prélude C-Dur von Chopin und die Sonate Nr. 4 von Prokofjev, deren Themen er im 1. Satz ein klar umrissenes Profil gab. In der Konzert-Etüde op. 40 von Kapustin glänzte er mit einem Mix aus quirligem Jazz und brillanter Virtuosität. Die „12 Notations“ von Boulez sind kurze Stücke von jeweils 12 Takten Länge. Der 21-jährige Dezheng Kong (China) trug sie am Ende mit viel Sinn für Klangfarben, Tempo- und Anschlagsarten vor und verfügte auch über die mentale Präsenz für die häufigen Wechsel in seinem Vortrag.