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26.01.2026

Jahresempfang 2026 mit Intendantin Elke Hesse

Text: Stefan Herr / Fuldaer Zeitung
Fotos: Daniel Lijovic / Fotoshop Eichenzell

„Können wir uns Kultur überhaupt noch leisten?“

Hersfeld-Intendantin Elke Hesse wirbt bei Eichenzeller Jahresempfang für Kulturförderung

Beim Jahresempfang am Donnerstag, 22.01.2026 im Eichenzeller Schlösschen sprach Bürgermeister Johannes Rothmund vor knapp 160 Gästen über Investitionen, Verzögerungen im Haushalt und laufende Projekte. Ehrengast Elke Hesse hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für Kulturförderung und erklärte, warum der öffentliche Diskurs ohne Kultur verarmen würde.

Jahresempfang Gemeinde Eichenzell 22.01.2026 © Fotoshop Eichenzell-001 (30)

Die goldenen Kronleuchter erhellten den Saal im Eichenzeller Schlösschen, lange Tische mit weißen Decken reihten sich aneinander. Platz genommen haben unter anderem Vertreter aus der Lokalpolitik, Wirtschaft und Michael Brand, „Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Abgeordneter des Deutschen Bundestags“, wie ihn Rothmund ausführlich und mit einem Augenzwinkern begrüßte. Als Ehrengast war Elke Hesse geladen. Die gebürtige Wienerin ist seit diesem Jahr Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele.

„Normalerweise haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits einen beschlossenen Haushalt“, sagte Rothmund. Aber weil die Zahlen aus dem reformierten kommunalen Finanzausgleich spät feststanden und das Land Hessen erst mit dem Beschluss über den Nachtragshaushalt 2025 am 13. November ein Paket über die Soforthilfe der hessischen Kommunen im Umfang von 300 Millionen Euro beschlossen habe, sei eine Einbringung des Haushalts leider nicht möglich gewesen, rechtfertigte Rothmund.

Er blickte auf das vergangene Jahr zurück. Darunter den 15 Millionen Euro teuren Umbau der Kläranlage Löschenrod und begonnene Baumaßnahmen am Bauhof sowie die Freigabe des neuen Teilbauwerks der Talbrücke Thalaubach auf der A7. Zudem verfüge die Gemeinde Eichenzell über drei neue Blitzersäulen: eine in Rönshausen vor dem Kindergarten, die zweite in Welkers bei der Querungshilfe über die L3307 Richtung Bahnhof und die dritte steht im Ortsteil Lütter vor der Grundschule.

Weiter gab der Bürgermeister einen Ausblick auf das laufende Jahr. So soll unter anderem die Straße Am Märzrasen in Welkers ausgebaut werden. Im Neubaugebiet „Nordöstliches Steinfeld“ im Kernort werde eine Kita mit vier Krippengruppen und zwei altersübergreifenden Gruppen entstehen. Das Klimaschutzprojekt und die kommunale Wärmeplanung schritten voran und würden in den kommenden Wochen zunächst den kommunalen Gremien präsentiert. „Auch die heiß diskutierte Immobilie in der Turmstraße 18/18a ist mittlerweile voll genutzt.“ Er sprach vom sogenannten Schwarzbau – wir berichteten.

Nach dem rund einstündigen „wilden Ritt durch die jüngere Eichenzeller Geschichte“ freue es Rothmund, „als treuer Besucher des Fuldaer Musicalsommers, aber auch der Bad Hersfelder Festspiele“, Elke Hesse begrüßen zu dürfen. „Können wir uns Kultur überhaupt noch leisten?“, warf die 61-Jährige in den Raum. „Diese Frage begegnet uns immer häufiger. In Haushaltsdebatten. In Talkshows. In Feuilletons. In politischen Programmen.“ Warum diese Frage auftaucht? „Wenn es eng wird: wenn Energiepreise steigen, kommunale Haushalte schrumpfen, globale Krisen eskalieren oder gesellschaftliche Umbrüche Verunsicherung erzeugen.“ Doch Kultur sei kein Luxusgut, das man sich gönnt, wenn alles andere geregelt ist.

Sie drehte die Perspektive bewusst um: „Können wir es uns leisten, auf Kultur zu verzichten?“ Kultur bestehe nicht nur aus Opernhäusern, Museen oder Theatern, aus Premieren auf roten Teppichen. Kultur umfasse unsere Sprache und Rituale, unsere Erinnerungen und Erzählungen, Musik, Literatur und Film. „Kultur stiftet Sinn. Sie erzählt uns, wer wir sind. Woher wir kommen. Und wie wir zusammenleben wollen.“ Ohne Kultur verarme der öffentliche Diskurs, schrumpfe gesellschaftlicher Zusammenhalt und Demokratie werde fragiler. Hesses Antwort auf die Frage „Können wir uns Kultur überhaupt noch leisten?“ lautete „Wir können uns nicht leisten, sie nicht zu fördern.“

Denn kulturelle Gerechtigkeit sei keine Nebensache, sondern eine Investition in eine offene, solidarische und demokratische Gesellschaft. Deshalb, sagte sie mit einem Augenzwinkern, seien alle Anwesenden eingeladen, zu den Bad Hersfelder Festspielen zu kommen und Bekannte und Freunde mitzubringen.

Weitere Fotos und Presseberichte:

Empfang in Eichenzell: Diese Projekte beschäftigen die Gemeinde - Fuldaer Zeitung online

Wiener Charme und Kultur-Kämpferin: Intendantin Elke Hesse im Schlösschen - Osthessen|News

Jahresempfang Eichenzell - Hesse: Können wir uns Kultur noch leisten? eichenzell-aktuell.de

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